Nuklearmedizinische Untersuchung
Zur Überprüfung der Indikation und zur Planung und Dosisabschätzung vor der Radiosynoviorthese ist in der Regel eine Gelenkszintigrafie und Gelenksonografie erforderlich, die in Form der sog. 3-Phasen-Skelettszintigrafie bis auf wenige Ausnahmen durchgeführt wird.
Für die Planung einer Radiosynoviorthese ist diese Diagnostik unverzichtbar, da damit Gelenkentzündungen (Arthritis bzw. Synovialitis) hochempfindlich nachgewiesen werden können, oft sogar schon Monate vor Beginn spürbarer Beschwerden und röntgenologisch sichtbarer Veränderungen.
Diese Perfusions- und Weichteilszintigrafie der Gelenke (auch "Entzündungsszintigrafie" genannt) wird ergänzt werden durch zusätzliche, spätere Aufnahmen (Skelettszintigrafie). Diese kann vor allem bei Gelenkverschleiß (Arthrose) wichtig sein. Damit kann am besten zwischen entzündlicher (Arthritis bzw. Synovialitis) und knöchern-degenerativer (Arthrose) Komponente unterschieden werden, abgesehen von oft wertvollen zusätzlichen Informationen.
Vorgehen
Sie bekommen eine intravenöse Injektion einer radioaktiv markierten Substanz, die eine nur minimale Strahlenbelastung bedeutet.
Nach einigen Minuten werden dann mit einer Gammakamera Aufnahmen (Weichteilszintigramme) von den erkrankten Gelenken angefertigt (Dauer ca. 15-30 Minuten). Meist ist der szintigrafische Untersuchungsteil hiermit beendet.
Wird noch eine Skelettszintigrafie angeschlossen, dann haben Sie eine Pause von 2-3 Stunden, nach der Aufnahmen ("Spätaufnahmen") meist vom gesamten Skelett- bzw. Gelenksystem angefertigt werden (Dauer ca. 30-45 Minuten).
Da kaum ein Patient mit dem anderen vergleichbar ist, wird das Untersuchungsprogramm jeweils den individuellen Bedürfnissen angepasst.
Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
Häufig wird eine Ultraschalluntersuchung der/des betroffenen Gelenke(s) durchgeführt, z.B. bei Kniegelenkserkrankungen. Damit lassen sich z.B. Gelenkergüsse und krankhafte Anschwellungen der Gelenkschleimhaut feststellen.
Besprechung
Nachdem Sie ihre Angaben zum Krankheitsverlauf und Ihre Beschwerden vorgetragen haben und möglichst auch – soweit Sie darüber verfügen – Röntgenaufnahmen und frühere Krankenberichte zur Einsicht vorliegen, werde ich in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen die Befunde erörtern und die nuklearmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten besprechen.
Durchführung der Radiosynoviorthese
Das für Sie benötigte Präparat in der individuell bestimmten Dosis wird speziell für Sie hergestellt und in der Regel donnerstags geliefert. Das bedeutet und von Ausnahmen abgesehen:
Die Radiosynoviorthese kann generell nur donnerstags oder freitags erfolgen (hierbei ist unbedingt zu beachten, dass Sie ihren Termin einhalten, da sonst unnötige Kosten entstehen und ihre Substanzen nicht weiter verwendet werden können).
Die Haut über dem Gelenk wird desinfiziert. Dann wird unter sterilen Bedingungen mit einer dünnen Nadel eine Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) und gleichzeitig eine Punktion des Gelenks vorgenommen, meist unter Durchleuchtung, oft mit Kontrastmitteldarstellung des Gelenks. Ist ein Erguss vorhanden, wird er zum größten Teil abpunktiert. Die für Sie vorbereitete radioaktive Substanz wird ins Gelenk injiziert, die Nadel herausgezogen und die Punktionsstelle noch etwas abgedrückt. Damit ist die Therapie durchgeführt.
Wichtig: Nach der Radiosynoviorthese müssen behandelte Gelenke für 48 Stunden unbedingt ruhig gestellt werden! Nach Behandlung von Gelenken im Bereich der Beine ist nur der Toilettengang erlaubt.
Entweder Sie bringen eine Gipsschale (von Ihrem Orthopäden) mit, oder Sie bekommen von uns eine Schiene angepasst, die nach der Behandlung angewickelt wird. Werden Knie-, Sprung- oder Zehengelenke behandelt, werden Sie anschließend mit dem Rollstuhl zum Auto oder zum Taxi gebracht. Nach einer Radiosynoviorthese sollten Sie nicht selbst das Auto steuern, da sonst die erforderliche Ruhigstellung nicht gewährleistet ist. Eine weitere Woche sollte das Gelenk noch etwas geschont werden.
Gibt es mögliche Nachteile der Radiosynoviorthese?
Wichtig ist, dass die radioaktive Substanz absolut sicher in die Gelenkhöhle injiziert wird, damit gesundes Gewebe nicht zerstört wird. Daher wird unmittelbar vor der Injektion der radioaktiven Substanz (mit wenigen Ausnahmen) eine Durchleuchtung mit Kontrastmittel durchgeführt:
Jede Wirkung kann prinzipiell mit Nebenwirkungen verbunden sein. In wenigen Prozent der Fälle kann es in den ersten Tagen zu einer sog. Strahlensynovialitis kommen, die sich in einem Reizerguss äußern kann. Dann ist z.B. das Kniegelenk etwas geschwollen (mitunter sogar mehr als vorher) und manchmal überwärmt. Es kann sich ein Kribbeln oder Stechen im Gelenk einstellen. Mit kalten Umschlägen oder einer Eismanschette ist diese vorübergehende Erscheinung immer zu lindern. Auch die absolute Ruhigstellung des behandelten Gelenkes hilft, den Reizerguss zu vermeiden. Nebenwirkungen, wie sie sowieso selten nach Gelenkpunktionen generell vorkommen können, sind im Zusammenhang mit einer Radiosynoviorthese geradezu eine Seltenheit.
Wie ist die Strahlenbelastung?
Die Strahlenbelastung beschränkt sich nahezu ausschließlich auf die kranke Gelenkschleimhaut, die erklärtermaßen Zielobjekt ist. Aus einer schmerzhaft entzündeten verdickten Schleimhaut soll eine eher schwartenartige, unempfindlichere Schleimhaut werden.
Das angrenzende Gewebe wird nicht geschädigt. Wegen der sehr kurzen Reichweite der Strahlung und der Tatsache, dass die Substanzen in der Gelenkhöhle verbleiben und nicht über das Blut abtransportiert oder im Urin ausgeschieden werden, werden gelenkferne Körpergegenden nicht betroffen, die Therapie kann ambulant durchgeführt werden, Strahlenschutzmaßnahmen für den Patienten oder seine Umgebung sind im Regelfall nicht erforderlich.
Sollten Sie weitere Fragen haben, so besteht jederzeit die Möglichkeit diese mit uns zu klären!