Gravierender noch als an der Hüfte sind Achsenfehlstellungen am Kniegelenk, weil sie praktisch immer – durch die asymmetrische Belastung – früher oder später zum vorzeitigen Verschleiß führen.
Vorübergehend auftretende Achsenabweichungen im Kindesalter, wie leichte O- oder X-Beine, sind bis zu einem gewissen Grad normal und korrigieren sich meist von selbst während des Wachstums. Operative Eingriffe am wachsenden Skelett stellen hier eher die Ausnahme dar, können jedoch erforderlich werden, wenn es sich um extreme Fehlstellungen handelt oder aber eine Spontankorrektur ausbleibt. Durch einseitige Klammerung der Wachstumsfugen lässt sich z.B. selektiv das Längenwachstum an der Innen- oder Außenseite des Knies hemmen.
Einen hohen Stellenwert haben Achsenkorrektureingriffe (Umstellungsosteotomien) bei der beginnenden Kniegelenksarthrose des noch jüngeren Patienten, wie sie z.B. nach fehlverheilten Knochenbrüchen oder Meniskusentfernungen auftreten kann. Auch hier gilt, dass das operierte Bein über die Dauer von 6 bis 12 Wochen entlastet werden muss, und in der Regel eine späterer Metallentfernung erforderlich ist. Die Altersgrenze für derartige kniegelenksnahe Osteotomien liegt etwa um das 60. Lebensjahr.
Bilder: Sog. Umstellungsosteotomie des linken Kniegelenks eines Patienten mit O-Bein-Arthrose. Durch Einsetzen eines Knochenkeils wurde das Schien- bein an der Innenseite aufgeklappt und das der Arthrose zugrunde liegende O-Bein wieder in eine leichte X-Bein-Stellung gebracht.
