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Mit Herrn Privatdozent Dr. med. Sebastian Fürderer konnte im Jahr 2005 das Spektrum der Orthopädischen Abteilung nochmals deutlich erweitert werden. Als Abteilung für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie steht nun das gesamte Spektrum der operativen und konservativen Behandlungsmethoden bei rückenbedingten Erkrankungen zur Verfügung.

 

Spezialgebiete sind unter anderem:

Minimal-invasive Schmerztherapie mit PDK

 

Hierbei wird ein Katheter in den Wirbelkanal eingebracht, über den Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente an die schmerzempfindlichen  Nervenwurzeln und Bandscheiben direkt appliziert werden können. Ein solcher Katheter verbleibt in der Regel für 4-5 Tage, während derer eine kontinuierliche Spülung des Spinalkanals vorgenommen wird. Alternativ kann eine Serie von bis zu 3 Injektionen in den Spinalkanal im Abstand von mindestens einem Tag erfolgen (Single-shot-Periduralanästhesie SSPDA)

Perkutane Bandscheibenbehandlung

 

In lokaler Betäubung wird eine Nadel in die betroffene Bandscheibe eingeführt, über die mittels spezieller Therapiesonden (LASER oder Thermalelektrode) Bandscheibengewebe koaguliert und Risse in der Bandscheibenhülle „verschweisst“ werden sollen.

 

IDET intradiskale elektrothermale Therapie

Mikrochirurgische Operationen an der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule

 

In der Abteilung für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie stehen ein Operationsmikroskop und eine Video-Endoskopie-Anlage zur Verfügung, mit denen über kleinste Hautschnitte Operationen an der gesamten Wirbelsäule durchgeführt werden können. Dies sind in der Regel Entfernung von Bandscheibenvorfällen, Erweiterung des Wirbelkanals bei Verengungen (spinaler Stenose) und Operationen an Nervenwurzeln. Während an der Brust- und Lendenwirbelsäule in der Regel vom Rücken operiert wird, erfolgt die Operation an der Halswirbelsäule in den meisten Fällen von der Vorderseite des Halses aus.

 

Dynamische Stabilisierung der Lendenwirbelsäule

 

Durch den Verschleiß von Bandscheiben, Wirbelbogengelenken und Bändern kommt es im Verlauf oft zu einem Verlust der Höhe des Bewegungssegments. Dies ist vergleichbar mit einem Autoreifen, der Luft verliert. Als Folge tritt eine Gefügelockerung und der Verlust der „Stoßdämpferfunktion“ der Bandscheibe auf. Diese wölbt sich nun nach allen Seiten vor. Als Folge kann es zu Druck auf  Nerven im Spinalkanal kommen, Zudem müssen die Wirbelbogengelenke mehr Last aufnehmen und dies kann zu Rückenschmerzen führen. Mittels verschiedenartiger spezieller Implantate, die entweder zwischen die Wirbel selbst oder aber zwischen die hinteren Abschnitte der Wirbelbögen eingebracht werden, ist es möglich, die Funktion und Stabilität der Wirbelsäule wieder herzustellen ohne eine Versteifung durchführen zu müssen. Diese „Stoßdämpferimplantate“ oder „Spacer“ (von „Platzhalter“) sind entweder aus Metall oder aber aus flexiblem Kunststoff hergestellt. Als Beispiel für einen Bandscheiben-Spacer ist die PDN-Prothese dargestellt, das DIAM-Implantat stellt einen hinteren sogenannten interspinösen Spacer dar.

PDN:  intervertebraler Spacer    DIAM:  interspinöser Spacer

Künstliche Bandscheiben an der Hals- und Lendenwirbelsäule

 

Bereits seit Mitte der 80er Jahre ist das Konzept der künstlichen Bandscheibe bekannt. Die in der Berliner Charité entwickelte Prothese ist der Prototyp aller mittlerweile existierenden „Totalendoprothesen“. Bei der Operation wird nahezu die gesamte (verschlissene) Bandscheibe entfernt, und es wird ein mobiles, meist auf einem Kugelgelenk basierendes Implantat in den angrenzenden Wirbeln verankert. Dies gilt sowohl für Prothesen an der Hals- als auch an der Lendenwirbelsäule.

Wer kommt überhaupt für eine „Bandscheibenprothese“ in Frage? Es sind Patienten im mittleren Lebensalter mit einer oder zwei stark beschädigten Bandscheiben, die sonst noch keine wesentlichen Abnützungserscheinungen an der Wirbelsäule haben. Es darf auch keine Entzündung oder Knochenschwund (Osteoporose) vorliegen. Eine bereits früher durchgeführte Bandscheibenoperation am betroffenen Bewegungssegment ist kein Hindernis. Ein entsprechend langer konservativer Therapieversuch ist Voraussetzung. Durch das Ersetzen der verschlissenen Bandscheibe durch die Zwischenwirbel-Endoprothese wird die Segmenthöhe und Stabilität wieder hergestellt. Die normale Beweglichkeit des Segmentes kann wieder erlangt werden, die Schmerzen klingen bald ab. Mit einer normalen Beweglichkeit kann nach 3 Monaten gerechnet werden.  Da die Operation immer von vorne durchgeführt wird, muss an der Lendenwirbelsäule durch den Bauchraum hindurch operiert werden. Mehr Information unter: www.artificialdisc.com

 

Bandscheibenprothese        Prothese im Segment L5/S1

„Maverick“

Aufrichtungs- und Versteifungsoperationen

 

Schwere angeborene oder erworbene Fehlstellungen oder Instabilitäten der Wirbelsäule können zu Schmerzen, Gefühlsstörungen der Arme oder Beine bis hin zu Lähmungen führen. Typische Krankheitsbilder hierbei sind: Wirbelgleiten (Spondylolisthese), schwerer Bandscheibenverschleiss (erosive Osteochondrose) oder Verbiegungen (Skoliose oder Drehgleiten). Hier hilft oft nur eine operative Korrektur und Versteifung der betroffenen Abschnitte der Wirbelsäule. Je nach Art und Ausprägung erfolgen solche Operationen von hinten, von vorne oder kombiniert ein- oder zweizeitig. Da in der Regel ein Zusammenwachsen der Wirbel erwünscht ist, dürfen für 6 Monate nach der Operation keine schweren Lasten gehoben werden und keine starken Bewegungen der Wirbelsäule durchgeführt werden. Dennoch erfolgt die Nachbehandlung in der Regel ohne Korsett, lediglich bei vorbestehender Osteoporose oder anderen Grunderkrankungen kann ggf. ein Korsett notwendig sein.

Skoliosebehandlung mittels Korsett und operative Korrektur von Fehlstellungen

 

Als Skoliose werden Wirbelsäulenverkrümmungen bezeichnet, die zur Seite abweichen. Oft sind sie mit einer Rotation der Wirbelsäule um die eigene Achse verbunden. Es handelt sich hierbei meist um Störungen des Wirbelsäulenwachstums. Daher treten die meisten dieser Erkrankungen im Kindes- oder Jugendalter auf. Diese sogenannten idiopathischen Skoliosen werden unterschieden von solchen, bei denen die Verkrümmung auf anderen Ursachen beruht (sekundäre Skoliosen). Dies können Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems mit Lähmungen oder Spastiken sein, oder aber primäre Fehlbildungen des Knochens mit der unvollständigen Ausbildung ganzer Wirbel oder angeborener Wirbelverschmelzungen.

Therapie: Während sekundäre Skoliosen meist unaufhaltsam voranschreiten und früh einer operativen Behandlung bedürfen, kann das Fehlwachstum bei der Mehrzahl der idiopathischen Skoliosen mit einer konsequenten Korsettbehandlung aufgehalten oder sogar verbessert werden. Hierzu muss eine tägliche Tragezeit von mindestens 20 Stunden eingehalten werden. Das Korsett kann jedoch zum Sport und für die Körperpflege abgenommen werden.

Korsettbehandlung bei Skoliose

 

Überschreitet die Skoliose ein bestimmtes Maß, so lässt sich das Fortschreiten der Krümmung trotz Korsetttherapie nicht aufhalten. Bei idiopathischen Skoliosen (siehe dort) ist dies ein Winkel von 40-45° in der Aufsicht. Bei sekundären Skoliosen ist der Zeitpunkt zur Operation sogar bereits bei einem Krümmungsausmass von 30° gegeben.

Die Operation beinhaltet eine Korrektur soweit als möglich. Da das Rückenmark mit der Skoliose wächst, ist jedoch eine vollständige Korrektur nicht immer möglich und sogar gefährlich, da es durch übermäßigen Zug und Biegung der Wirbelsäule zu Schädigungen mit der Folge von Lähmungen kommen kann.

Die Korrektur kann von hinten, von vorne oder kombiniert je nach Art und Ausmass der Verkrümmung notwendig sein. In allen Fällen muss eine Stabilisierung und Versteifung durchgeführt werden. Meist wird hierzu ein Implantat aus Schrauben, Stäben und Haken, ein sogenannter Fixateur intern, an der Wirbelsäule befestigt. Je nach Länge und betroffenem Wirbelsäulenabschnitt ist die Beweglichkeit der Wirbelsäule danach eingeschränkt. Als Faustregel gilt: Je höher und kürzer der operierte Abschnitt, desto geringer die Bewegungseinschränkung. Bei der typischen idiopathischen Skoliose ist fast immer die Brustwirbelsäule und nur der obere Abschnitt der Lendenwirbelsäule betroffen, so dass die Beweglichkeit hier fast nicht beeinträchtigt wird.

Idiopathische Skoliose vor und nach Korrektur

Aufrichtung und Stabilisierung von osteoporotischen Wirbelbrüchen mit Vertebroplastie- und Kyphoplastie- Verfahren

 

Wirbelbrüche sind ein häufiges Problem bei Osteoporose und nicht selten auch das erste Zeichen des Knochenschwunds. Mit mehr oder weniger aufwendigen und bequemen Korsetts und Miedern wurde bislang versucht, eine äussere Stabilisierung der Wirbelsäule zu erreichen, bis der Bruch geheilt war. Eine solche Behandlung ist nicht nur unbequem, in nicht wenigen Fällen kann ein Kollaps des betroffenen Wirbels auch durch ein konsequentes Tragen des Korsetts nicht verhindert werden. In den letzten Jahren wurde jedoch mit der Vertebroplastie ein Verfahren entwickelt, mittels dem eine minimal-invasive und schnelle Stabilisierung des eingebrochenen Wirbels erreicht werden kann. Hierbei wird durch eine Kanüle ein spezieller selbsthärtender Kunststoff (PMMA oder „Knochenzement“) in den Wirbel eingespritzt. Je nach Verfahren kann vorher eine Aufrichtung mit speziellen Ballonkathetern oder mit Metallgeflechten erreicht werden.  Das Verfahren wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt, bei hohem Narkoserisiko kann es jedoch auch in lokaler Betäubung durchgeführt werden. In der Regel ist der Patient bereits wenige Stunden nach dem Eingriff deutlich schmerzgebessert. Es kann auch in Kombination mit der offenen Aufrichtung von Wirbelbrüchen verwendet werden.

 

 

 

 

Vertebroplastie              Kombination von offener Aufrichtung und

Von 3 Lendenwirbeln      Vertebroplastie

Stand:14.09.2006
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