Bei der Behandlung des Enddarmtumors (Rectum-Carcinom) spielt die Strahlentherapie neben der chirurgischen Tumorresektion sowie der Chemotherapie eine wichtige Rolle. Bei den Enddarmtumoren besteht ein erhöhtes Risiko, dass der Tumor im Bereich der Operationshöhle oder im Randbereich des Operationsfeldes wieder ausbrechen könnte. Um ein solches Nachwachsen (Rezidiv) zu verhindern, erfolgt die Strahlentherapie des Tumorbettes unter Einschluss des zugehörigen Lymphabflussgebietes. Es sollten grundsätzlich alle fortgeschrittenen Tumoren, bei denen der Tumor die Darmwand durchbrochen hat, bzw. bei Lymphknotenmetastasen bestrahlt werden. Im Rahmen von großen Studien hat sich gezeigt, dass diese Behandlung besser vor der Operation erfolgen sollte, da dadurch die Nebenwirkung aber auch die Heilungsrate besser ist als die Strahlentherapie nach der Operation.
Je nach Lokalisation des Tumors stehen zwei Therapieverfahren zur Verfügung. Bei Tumoren, die dicht am Schließmuskel liegen, erfolgt eine kombinierte Chemo-/Strahlentherapie über einen Zeitraum von fünf Wochen mit dem Ziel, den Tumor vor der Operation deutlich zu verkleinern, damit evtl. die Möglichkeit besteht den Schließmuskel zu erhalten, so dass auf einen künstlichen Darmausgang verzichtet werden kann.
Liegt der Tumor in höheren Darmabschnitten (weiter weg vom Schließmuskel) kann entweder das gleiche Verfahren angewandt werden oder bei kleineren Tumoren kann der Tumorbereich und das Umfeld über eine Hochdosis Strahlentherapie an fünf aufeinanderfolgenden Tagen sterilisiert werden, so dass in der darauffolgenden Woche der Patient bereits operiert werden kann.
Zeigt sich bei Patienten mit kleinen Tumoren während der Operation doch ein fortgeschrittenes Stadium, so erfolgt die Strahlentherapie nach der Operation ebenfalls in Kombination mit einer Chemotherapie.
Sowohl die Chemo- als auch die Strahlentherapie werden gut vertragen. Bei der Chemotherapie kommt nur ein Medikament zum Tragen (5-FU). Diese Substanz macht normalerweise weder Übelkeit noch kommt es zum Haarausfall, noch kommt es zu einer stärkeren Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Nur in seltenen Fällen kann es zu einer Schleimhautentzündung kommen, die unter Umständen die Weiterbehandlung mit diesem Medikament einschränken könnte. Die Strahlentherapie führt in Folge der Mitbestrahlung von Dünn- und Dickdarm zu einer Reizung des Darmes. Typische Nebenwirkungen sind leichtes Unwohlsein, in seltenen Fällen Übelkeit, Durchfall sowie Beschwerden ähnlich einer Darmgrippe.
Diese Nebenwirkungen werden durch die neue Bestrahlungstechnik vermindert, in dem wir die so genannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT-Technik) anwenden, die es erlaubt, die Dosis im Bereich des Darmes deutlich zu senken, so dass die bisher gute Verträglichkeit der Strahlentherapie weiter verbessert wird.
Dr. med. Birgit Siekmeyer
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