Welche Funktion hat der Analkanal?
Was sind die Ursachen für Erkrankungen des Analkanals?
Was sind typische Krankheitszeichen analer Erkrankungen?
Welche Untersuchungen sind zur Diagnosestellung einer Erkrankung des Analkanals erforderlich?
Welches Ziel hat die chirurgische Behandlung und welche Operationen werden durchgeführt?
Was ist zur Operationsvorbereitung erforderlich?
Welche Komplikationen sind nach einer analen Operation möglich?
Wie verläuft die Nachbehandlung, wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
Welche Funktion hat der Analkanal?
Der Analkanal ist zwischen 3 und 6 cm lang und stellt den Abschluss des menschlichen Verdauungstraktes dar. Seine Aufgabe ist der sichere Verschluss des Verdaungstraktes und die kontrollierte Abgabe des Stuhlganges während der Defäkation.
Neben den unwillkürlichen und willkürlichen Anteilen des Schließmuskelapparates finden sich im Analkanal die Ausführungsgänge der Proktodealdrüsen und die Hämorrhoiden. Diese Hämorrhoiden helfen den Abgang von Winden und Stuhlgang zu kontrollieren, indem sie als schwammartiges Polster feinster Gefäße in den Analkanal ragen. Die Hämorrhoiden werden aus drei Schlagadern gespeist und stellen einen wichtigen Bestandteil des analen Verschlusssystems dar.
Was sind die Ursachen für Erkrankungen des Analkanals?
Die häufigste Erkrankung ist das Hämorrhoidalleiden. Es entsteht, wenn die Hämorrhoiden durch eine Stauung des enthaltenen Blutes anschwellen und sich vergrößern. Der Schweregrad eines Hämorrhoidalleidens reicht von keiner spürbaren Vorwölbung (Stadium I), über die beim Pressen vorhandene, aber danach spontan verschwindende Vorwölbung (Stadium II), eine vom Patienten selber zurückzudrückenden Vorwölbung (Stadium III) bis zu einer anhaltenden und nicht zurückschiebbaren Vorwölbung (Stadium IV) der Hämorrhoiden in den Analkanal. Verursacht wird die Ausbildung eines Hämorrhoidalleidens durch chronische Stuhlverstopfung, langes Pressen beim Stuhlgang, Übergewicht und sitzende Tätigkeit. In der Schwangerschaft treten Hämorrhoiden vermehrt auf.
Die Analfissur stellt einen äußerst schmerzhaften Einriss der sehr empfindlichen Analhaut dar. Dieser wird ebenfalls durch chronische Verstopfung und Überdehnung des Analkanals bei sehr hartem Stuhlgang verursacht und durch lokale Durchblutungsstörungen gefördert.
Die Entzündung der Gänge der Proktodealdrüsen stellt die häufigste Ursache von Analfisteln dar. Dabei handelt es sich um röhrenförmige Gänge, die die innere Drüsenöffnung am Darm mit der Haut um den Analkanal verbinden. Oft führt eine derartige Entzündung der Drüsengänge nicht zu einer Fistelbildung, sondern fällt zunächst als Abszess der Analregion auf. In seltenen Fällen können derartige Fisteln und Abszesse auch durch entzündliche Darmerkrankungen hervorgerufen werden. Hygenisches Fehlverhalten ist fast niemals die Ursache für eine Erkrankung des Analkanals.
Was sind typische Krankheitszeichen analer Erkrankungen?
Die typischen Zeichen eines Hämorrhoidalleidens sind hellrote Blutspuren auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier. Zusätzlich können auch Brennen, Nässen und nachfolgende nässende Ekzeme Zeichen eines Hämorrhoidalleidens sein.
Die Analfissur macht sich durch starke Schmerzen bei und nach der Stuhlentleerung bemerkbar. Durch diese Schmerzen kann das Sitzen unmöglich werden. Blutbeimengungen zum Stuhl oder auf dem Toilettenpapier sind ebenfalls möglich.
Eine Analfistel kann die gleichen Symptome verursachen wie ein Hämorrhoidalleiden, allerdings fallen bei Fistelerkrankungen oft eitrige Absonderungen neben dem After auf. Anale Abszesse werden vom Patienten dagegen typischerweise als zunehmend schmerzhafte Schwellung und Rötung neben dem After bemerkt. Manchmal entleert sich aus einem Abszess spontan übelriechender Eiter durch die Haut nach außen. Tiefliegende Abszesse sind schwer zu erkennen und fallen nur durch allgemeines Krankheitsgefühl, Blasenentleerungsstörungen oder Fieber auf.
Welche Untersuchungen sind zur Diagnosestellung einer Erkrankung des Analkanals erforderlich?
Die wesentliche Untersuchung zur Stellung der Diagnose und zur Planung der Behandlung einer Erkrankung des Analkanals ist die genaue Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt. Dieser inspiziert die Analregion, tastet den Anakanal mit dem Finger aus und führt eine Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) und des Mastdarms (Rektoskopie) durch. Manchmal wird diese Untersuchung durch eine innere Ultraschalluntersuchung des Schließmuskels ergänzt. Bei sehr schmerzhaften Erkrankungen wird auf eine weitere Untersuchung verzichtet oder die Untersuchung in einer kurzen Narkose durchgeführt. Eine Spiegelung des gesamten Dickdarmes ist bei peranalen Blutabgängen notwendig, um andere ernsthafte Ursachen der Blutung auszuschließen.
Alle genannten Untersuchungen sind in der Regel nicht schmerzhaft und werden ambulant durchgeführt.
Welches Ziel hat die chirurgische Behandlung und welche Operationen werden durchgeführt?
Ein Hämorrhoidalleiden im Stadium I wird erfolgreich mit Salben, Zäpfchen und Stuhlregulation behandelt. Im Stadium II kann diese Therapie durch die ambulante, schmerzfreie Verödung der Hämorrhoiden ergänzt werden. Im Stadium III und IV muss in den meisten Fällen eine Operation erfolgen. Dabei werden die geschwollenen Hämorrhoiden entfernt und die blutzuführenden Schlagadern in Vollnarkose unterbunden. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten und kann in verschiedenen Techniken durchgeführt werden. Die optimale Technik wird mit jedem Patienten individuell vor der Operation besprochen.
Eine Analfissur kann fast immer durch Zäpfchen, Stuhlregulation und durchblutungsfördernde Salben geheilt werden. Wenn eine derartige Therapie unwirksam bleibt, wird in einer 10-15 Minuten dauernden Vollnarkose der Schließmuskel vorsichtig aufgedehnt.
Anale Fisteln werden in Vollnarkose sondiert und möglichst komplett freigelegt. Dabei darf der Schließmuskelapparat nicht geschädigt werden. Fisteln, die durch den Schließmuskel verlaufen oder ausgedehnte Fistelsysteme können daher mehrere Eingriffe erforderlich machen. Komplexere Operationen sind nur in Ausnahmefällen erforderlich.
Anale Abszesse werden in der Regel zunächst in Vollnarkose eröffnet und der enthaltene Eiter entleert. Die zugrunde liegende Fistel kann nicht immer sofort, sondern häufig erst nach Abklingen der akuten Entzündung in einem weiteren Eingriff behandelt werden.
Was ist zur Operationsvorbereitung erforderlich?
Als einzige Vorbereitung erfolgt bei Patienten mit Erkrankungen des Analkanals die Reinigung des Mastdarms durch einen kleinen Einlauf (Klistier) am Morgen der Operation. Die vollständige Stuhlentleerung aus dem Darm ist nur bei komplexeren Eingriffen am Analkanal erforderlich, sie geschieht spätestens am Vortag vor der Operation mit Hilfe einer besonderen Trinklösung.
Welche Komplikationen sind nach einer analen Operation möglich?
Da der Analkanal sehr gut durchblutet ist, können nach Operationen in dieser Region Nachblutungen auftreten. Während eine geringe Blutmenge im Verband normal ist, muss bei größere Mengen hellroten Blutes immer eine Nachblutung ausgeschlossen werden.
Die Analregion ist durch den Stuhlgang mit Bakterien besiedelt, so dass immer die Gefahr einer Entzündung besteht. Um Entzündungen zu vermeiden, werden die entstehenden Wunden oftmals nicht vernäht. Unbeabsichtigte Verletzungen des Schließmuskelapparates sind bei analen Operationen sehr selten, können aber in Ausnahmefällen auftreten. Vorübergehende Funktionsstörungen des Schließmuskels bilden sich fast immer innerhalb weniger Tage oder Wochen vollständig zurück.
Spätere Verengungen des Analkanals nach operativen Eingriffen sind eine absolute Rarität. Aufgrund der besonderen Anatomie des Analkanals können sowohl Hämorrhoiden als auch Analfissuren, Analfisteln und Analabszesse auch nach erfolgreicher Operation später wieder auftreten. Allgemeine Komplikationen sind bei jedem Eingriff in Narkose möglich, sie treten bei Operationen am Analkanal aber nur sehr selten auf.
Wie verläuft die Nachbehandlung, wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
Um Schmerzen nach dem Eingriff zu vermeiden, erhält jeder Patient eine spezielle individuelle Schmerztherapie. Wichtig ist die aktive Teilnahme des Patienten am Genesungsprozess. Jeder Patient sollte sich so viel wie möglich außerhalb des Bettes aufhalten, d.h. im Stuhl sitzen und umherlaufen.
Zur Vermeidung einer Thrombose oder Embolie sind Kompressionsstrümpfe und Heparininjektionen erforderlich. Die Patienten müssen die anale Wunde unter Umständen mehrfach am Tag mit einem kräftigen Strahl ausduschen, um die Wunden zu reinigen, die Anheftung von Bakterien zu vermeiden und eine raschere Heilung zu erzielen.
Die meisten Patienten können bereits am 1. oder 2. Tag nach der Operation entlassen werden. Bei komplizierten Fisteln oder Abszessen sind spezielle Nachbehandlungen erforderlich, die vom behandelnden Arzt mit jedem Patienten individuell vereinbart werden. In diesen Fällen kann der stationäre Aufenthalt länger dauern. Nach kompletter Abheilung der Wunden ist in der Regel keine besondere Nachbehandlung mehr erforderlich.