Klinikum Mutterhaus Mitte

 

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Tumore des Mastdarmes

Was ist der Mastdarm und welche Funktion hat er?

Der Mastdarm bildet den Abschluss des Dickdarmes und liegt dem Schließmuskel unmittelbar an.

Seine wesentliche Funktion besteht darin, als Reservoir zu dienen. Der Stuhl wird hier gesammelt, bevor er in ganz individuellen Abständen entleert wird.

Gleichzeitig bildet der Mastdarm einen wichtigen Teil des gesamten Kontinenzorgans. Er ist in den äußerst komplexen Vorgang der Stuhlentleerung mit eingebunden.

Was sind die Ursachen für Mastdarmtumore?

Mastdarmtumoren entwickeln sich aus der Dickdarmschleimhaut, die auch den Mastdarm von innen auskleidet.

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Dickdarmgeschwülsten sind nicht bekannt. Genetische Veränderungen einzelner Zellen der Dickdarmschleimhaut führen zu einer vermehrten Wachstums- und Teilungstendenz. Es bilden sich häufig zunächst noch gutartige Polypen aus, die dann zu bösartigen Tumoren, dem Dickdarmkrebs entarten können.

Es bestehen auch vererbliche Formen des Dickdarmkrebses, die einer besonderen Behandlung bedürfen (sog. familiäre adenomatöse Polyposis oder hereditäre nicht-polypöse kolorektale Tumoren).

Schließlich können bestimmte lang anhaltende Dickdarmentzündungen zur Bildung von Dickdarmkrebs führen.

Was sind typische Krankheitszeichen des Mastdarmkrebses?

Die Zeichen für einen Dickdarmkrebs sind sehr unspezifisch, so dass zwischen den ersten Zeichen und der Diagnosestellung häufig mehr als ein halbes Jahr vergeht. Hinweise auf eine Mastdarmgeschwulst können längere Zeit anhaltende auffallende Verstopfung, aber auch Durchfälle, Blähungen oder vermehrte Windabgänge sein. Das wichtigste Zeichen einer Geschwulst des Mastdarmes sind Schleim- und Blutauflagerungen auf dem Stuhlgang. Auch wenn die häufigste Ursache einer Blutbeimengung zum Stuhlgang Hämmorrhoiden sind, sollte bei derartigen Symptomen eine komplette Untersuchung des Dickdarmes erfolgen. Wechselnd auftretende Schmerzen, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit können ebenfalls durch einen Dickdarmkrebs hervorgerufen werden. Bei sehr weit im Analkanal gelegenen Tumoren kann ein Druckgefühl im Dammbereich bemerkt werden, dass in Schmerzgefühle übergeht.

Welche Untersuchungen sind zur Diagnosestellung bei einer Mastdarmgeschwulst erforderlich?

Die wesentliche Untersuchung zur Stellung der Diagnose und zur Planung der Behandlung einer Mastdarmgeschwulst ist die Mastdarmspiegelung (Rektoskopie), bei der auch eine Gewebeprobe entnommen werden muss. Zusätzlich sollte auch eine vollständige Dickdarmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt werden, weil gelegentlich auch in anderen Dickdarmabschnitten gleichzeitig Tumore wachsen können. Alternativ kann auch eine Röntgenuntersuchung nach Gabe eines Kontrastmitteleinlaufs (Kolon-Kontrasteinlauf) durchgeführt werden. Dem Ausschluss möglicher Töchtergeschwülste (Metastasen) dienen eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Röntgenuntersuchung der Lunge.

Ein Großteil dieser Untersuchungen kann ambulant durchgeführt werden, wenn die schriftlichen Befundberichte oder Röntgenbilder mitgebracht werden, müssen diese Untersuchungen selbstverständlich nicht wiederholt werden. Einzige Ausnahme ist die Mastdarmspiegelung (Rektoskopie), die immer auch von dem behandelnden Chirurgen selbst wiederholt werden muss, um sich über die anatomischen Gegebenheiten zu orientieren.

Eine wichtige Untersuchung ist die Ultraschalluntersuchung des Mastdarmes mit einer speziellen dünnen Sonde, mit der die lokale Ausdehnung des Tumors festgestellt werden kann. Abhängig vom Ergebnis dieser Untersuchung wird festgelegt ob zuerst eine lokale Strahlentherapie mit nachfolgender Operation sinnvoll ist oder ob der Tumor primär operiert werden kann. Eine Operation ist in jedem Falle anzuraten.

Welches Ziel hat die chirurgische Behandlung und welche Operation wird durchgeführt?

Das Ziel der operativen Therapie ist die Entfernung der Geschwulst mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand und der Entfernung der Lymphknoten, welche durch eine Krebsgeschwulst mitbefallen sein können. In der Regel ist der entfernte Darmabschnitt ca. 25 cm lang. Die Ausdehnung der Resektion wird mit jedem Patienten vor der Operation ausführlich besprochen. Bei Tumoren, die in den Schließmuskel hineinwachsen, muss dieser mit entfernt werden. Dann muss ein permenenter künstlicher Darmausgang angelegt werden. Alle anderen Tumore können häufig, aber nicht immer operiert werden, indem der Schließmuskel erhalten bleibt. Um die Heilung nach der Operation aber nicht zu gefährden, muss in diesem Falle ein vorübergehender künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Wenn es möglich ist, werden die beiden verbliebenen Darmenden nach Entfernung des befallenen Darmabschnittes durch eine Naht miteinander verbunden. Die Operation wird in der Regel durch einen etwa 20 cm langen senkrechten Hautschnitt in der Mitte des Bauches durchgeführt.

Was ist zur Operationsvorbereitung erforderlich?

Voraussetzung für eine komplikationslose Heilung nach einer Dickdarmresektion ist eine sorgfältige Vorbereitung des Patienten.

Dazu gehört neben allgemeinen Maßnahmen zur Verbesserung der Herz- und Lungenfunktion (Verzicht auf Zigarettenrauchen, Atemübungen mit dem speziellen Atemtrainer, Treppensteigen) vor allem die vollständige Stuhlentleerung aus dem Dickdarm. Dies geschieht spätestens am Vortag vor der Operation mit Hilfe einer besonderen Trinklösung.

Außerdem wird die Bauchhaut mit Hilfe einer Creme von Haaren befreit.

Welche Komplikationen sind nach einer Mastdarmresektion möglich?

Alle möglichen Komplikationen und das Risiko, dass sie auftreten, werden mit dem Patienten vor der Operation ausführlich besprochen. Über den unmittelbaren Erfolg der Operation entscheidet, ob die Naht der beiden verbliebenen Darmenden (Anastomose) problemlos verheilt. Eine seltene Fehlheilung dieser Darmnaht kann zum Austritt von bakterienbesiedeltem Stuhlgang in die Bauchhöhle und so zu einer Bauchfellentzündung führen. Eine derartige Bauchfellentzündung kann lebensbedrohliche Folgen haben. Aus diesem Grund ist die Herstellung der Darmnaht ein hoch standardisierter und mit äußerster Präzision durchgeführter Teil der Operation. Der Bruch der Darmnaht ist glücklicherweise sehr selten. Da auch bei der Operation an einem sehr gut gereinigten Darm immer noch Bakterien in die Bauchhöhle gelangen, achten die Stationsärzte nach der Operation besonders auf die Zeichen einer Wundinfektion.

Weitere Komplikationen, die bei jedem Eingriff an einem Organ der Bauchhöhle auftreten können, sind Nachblutungen, Verletzungen von Nachbarorganen, Darmabknickungen und Verwachsungen. Nach Operationen in der Nähe des Schließmuskels ist die Schließmuskelfunktion direkt nach der Operation etwas schwächer als gewohnt. Weil der Mastdarm eine Reservoirfunktion bei der Stuhlentleerung hat, resultiert aus einer Entfernung des Mastdarmes eine mehrmalige tägliche Stuhlentleerung.

Wie verläuft die Nachbehandlung, wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Nach der Operation werden die meisten Patienten auf der chirurgischen Intensivstation betreut. Noch im Operationssaal oder auf der Intensivstation wird der Schlauch, der vom Narkosearzt zur künstlichen Beatmung während der Operation eingeführt wurde, entfernt. Weitere Schläuche dienen zur Ableitung von Wundsekret aus dem Bauchraum (Drainagen), verhindern das postoperative Erbrechen (Magensonde) und dienen zur Ableitung von Urin aus der Blase (Urinkatheter). Diese Schläuche bereiten keine Schmerzen und werden nach der Operation so rasch wie möglich entfernt. In Abhängigkeit vom intraoperativen Befund wird der Patient am nächsten Tag auf seine Station verlegt. Er darf bereits Tee trinken und nach Rücksprache mit dem Operateur auch Suppe zu sich nehmen. Der Flüssigkeitshaushalt wird durch Infusionen ausgeglichen. Um Schmerzen nach dem Eingriff zu vermeiden, erhält jeder Patient eine spezielle adaptierte Schmerztherapie. Wichtig ist in dieser Phase die aktive Teilnahme des Patienten am Genesungsprozess. Jeder Patient sollte sich so viel wie möglich außerhalb des Bettes aufhalten, d.­ h. im Stuhl sitzen und umherlaufen. Zur Vermeidung einer Thrombose oder Embolie werden Kompressionsstrümpfe und Heparininjektionen erforderlich. Die Hautnaht kann in der Regel nach zehn Tagen entfernt werden. Wenn ein künstlicher Darmausgang angelegt werden musste, findet eine intensive Einübung in die Stomapflege mit speziell ausgebildetem Personal statt.

Welche Nachbehandlung ist erforderlich?

Die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Darmabschnittes im Institut für Pathologie dauert etwa eine Woche.

Anhand der Ergebnisse dieser Untersuchung wird mit jedem Patienten besprochen, ob eine weitere medikamentöse oder strahlentherapeutische Behandlung der Erkrankung durch einen entsprechenden Spezialisten für Geschwulsterkrankungen sinnvoll ist, um die Aussicht auf eine dauerhafte Heilung zu erhöhen.

Eine spezielle Nachbehandlung der Wunde ist in der Regel nicht erforderlich.

Auf Wunsch kann für jeden Patienten mit einer Krebsgeschwulst über den Sozialdienst des Mutterhauses ein Kurantrag gestellt werden.

Wenn ein künstlicher Darmausgang angelegt wurde, dann werden Nachsorgetermine mit der chirurgischen Ambulanz vereinbart und festgelegt, wann der künstliche Darmausgang zurückverlegt werden kann.