Klinikum Mutterhaus Mitte

 

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Schilddrüse

Wo liegt die Schilddrüse?

Die Schilddrüse befindet sich am Hals unterhalb des Kehlkopfes auf und neben der Luftröhre. Sie besteht aus zwei Lappen, die durch eine Brücke (Isthmus) verbunden sind. Die normal große Schilddrüse wiegt etwa 15-20 g und misst vom oberen zum unteren Pol etwa 4 cm. An ihrer Rückseite befinden sich die von der Schilddrüse unabhängigen Nebenschilddrüsen.

Welche Funktion hat die Schilddrüse?

In der Schilddrüse werden die jodhaltigen Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) gebildet, die vielfältige Stoffwechselprozesse steuern. Außerdem produzieren spezielle Zellen (C-Zellen) das Hormon Kalzitonin, das den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel steuert. Die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone wird über Regelkreisläufe vom Gehirn durch die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert und steht normalerweise in einem Gleichgewicht.

Was versteht man unter einem Kropf?

Als Kropf oder auch Struma bezeichnet man die Vergrößerung der Schilddrüse. Diese kann entweder sichtbar sein oder durch eine Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Die Schilddrüsenvergrößerung kann sowohl gleichmäßig das gesamte Gewebe betreffen oder punktuell von Knoten in der Schilddrüse ausgehen. Neben der reinen Größenzunahme oder knotigen Veränderung kommt es häufig auch zu begleitenden Funktionsstörungen.

Welche Formen der Struma gibt es?

Je nach Stoffwechsellage der Struma unterscheidet man eine normale Funktion (Euthyreose) von einer Überfunktion (Hyperthyreose) sowie einer Unterfunktion (Hypothyreose).

Als Zeichen der Schilddrüsenüberfunktion klagen die Patienten über Herzklopfen, Augenmuskellähmungen, Nervosität, Schlaflosigkeit, heiße und feuchte Hände, feine und brüchige Haare sowie Gewichtsabnahme oder Konzentrationsschwäche. Bei Schilddrüsenunterfunktion leiden die Patienten häufig unter extremer Müdigkeit, Kälteintoleranz, Gewichtszunahme und allgemeiner Schwäche.

Am häufigsten sind allerdings Schilddrüsenvergrößerungen mit normaler Stoffwechsellage. Die Ursachen von Schilddrüsenvergrößerungen sind vielfältig und reichen von einem Jodmangel in der Nahrung über hormonelle Störungen in der Schwangerschaft oder Pubertät bis zu Erkrankungen des Immunsystems. Allerdings können sich auch bösartige Tumore dahinter verbergen, so dass eine Schilddrüsenvergrößerung unbedingt untersucht werden sollte.

Welche Diagnostik ist bei Strumen vor einer Behandlung erforderlich?

Neben einer Erhebung der Symptome und Tastuntersuchung der Schilddrüse werden die Schilddrüsenhormone T3, T4 und TSH im Blut untersucht. Zusätzlich ist eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse sowie eine Schilddrüsenszintigrafie sinnvoll.

Anhand der Untersuchungsergebnisse kann der behandelnde Arzt entscheiden, ob noch weitere Untersuchungen (wie Punktion der Schilddrüse unter Ultraschallkontrolle, Röntgenuntersuchung der Luft- oder Speiseröhre und weitere) erforderlich sind und welche Art von Behandlung sinnvoll ist.

Was bezeichnet man als „warmen" beziehungsweise „kalten" Knoten?

Die Fähigkeit der Schilddrüse, Jod aufzunehmen und zu Hormonen zu verarbeiten, kann in einzelnen Knoten der Schilddrüse unterschiedlich sein. Bei der Szintigrafie wird diese Fähigkeit durch Verabreichung schwach radioaktiven Jods sichtbar gemacht. Dabei werden Knoten, die besonders viel und mehr Jod als das restliche Schilddrüsengewebe speichern als "warm" bezeichnet. Sie gehorchen auch meist nicht mehr dem übergeordneten Regelkreislauf und produzieren viel Hormon (sogenannte autonome Adenome). Wenn das durch eine Drosselung der Hormonproduktion in der Restschilddrüse nicht mehr ausgeglichen werden kann, resultiert daraus eine Überfunktion der Schilddrüse. Wird in einem bestimmten Areal der Schilddrüse dagegen überhaupt kein Jod aufgenommen, spricht man von einem "kalten Knoten". Diese sind immer verdächtig auf das Vorliegen bösartiger Zellen (Schilddrüsenkrebs).

Welche Behandlungsformen der euthyreoten Struma gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man eine medikamentöse Therapie, die Operation und die sogenannte Radiojodtherapie.

Bei der medikamentösen Therapie werden zur Rückbildung der vergrößerten Schilddrüse Schilddrüsenhormone in Tablettenform verabreicht. Auch die Überfunktion der Schilddrüse kann teilweise durch Medikamente behandelt werden.

Bei der Operation wird das überschüssige und krankhafte Schilddrüsengewebe entfernt und ein kleiner aber ausreichender Rest belassen.

Bei der Radiojodtherapie wird ähnlich wie bei der Szintigrafie ein schwach radio-aktives Jod verabreicht, welches eine Verkleinerung des Schilddrüsengewebes bewirkt.

Teilweise können auch die einzelnen Therapieverfahren miteinander kombiniert werden. Welches Therapieverfahren im einzelnen angewendet werden soll, hängt neben dem Lebensalter und Begleiterkrankungen des Patienten auch von den konkreten Untersuchungsergebnissen der oben aufgeführten Diagnoseverfahren ab. Auch haben die Therapieverfahren unterschiedliche Vor- und Nachteile, so dass das günstigste Behandlungsverfahren individuell mit dem behandelnden Arzt und Patienten diskutiert und festgelegt werden sollte.

Wann ist eine Operation bei einer Struma notwendig?

Gründe für eine Operation sind der Patientenwunsch, Verdacht auf Bösartigkeit sowie Versagen der nicht-operativen Verfahren in der Strumatherapie.

Auch besondere Schilddrüsenerkrankungen wie die über das Immunsystem ausgelöste Vergrößerung und Überfunktion der Schilddrüse, die sogenannte Basedowsche Erkrankung, sollten nach medikamentöser Normalisierung der Schilddrüsenfunktion operativ behandelt werden.

Was gilt als Hinweis für einen bösartigen Schilddrüsentumor?

Rasches Wachstum einer Schilddrüsenvergrößerung, Veränderung der Stimmlage, Schluckstörungen, Atemnot sowie schmerzhafte Knoten in der Schilddrüse können Hinweise auf einen bösartigen Tumor sein. Bei der Szintigrafie erscheinen bösartige Tumoren häufig als kalte Knoten.

Welche Schilddrüsenoperationen werden wann durchgeführt?

Das Prinzip der Schilddrüsenoperation besteht in der Entfernung des krankhaften Schilddrüsengewebes und reicht von der Ausschälung einzelner Knoten über die teilweise oder komplette Entfernung einzelner Schilddrüsenlappen bis hin zur Entfernung der kompletten Schilddrüse. Die Operation wird immer nach den konkreten Befunden ausgerichtet.

Bei einem bösartigen Tumor werden die gesamte Schilddrüse und die Lymphknoten entlang der Halsgefäße entfernt.

Welche Gefahren bestehen bei Schilddrüsenoperationen?

Neben allgemeinen Gefahren bei Operationen und Vollnarkosen bestehen spezielle Gefahren wie:

  • die Verletzung des Stimmbandnerven (N. recurrens) mit Heiserkeit
  • die Verletzung/Entfernung von Nebenschilddrüsenkörperchen mit Kalziumstörungen (bemerkbar durch Zittern und Krämpfe)
  • die Nachblutung
  • der Bluterguss
  • Wundheilungsstörungen.

Wie erfolgt die Nachbehandlung?

Nach Schilddrüsenoperationen wegen Struma wird zumeist eine medikamentöse Vorbeugung einer erneuten Schilddrüsenvergrößerung durchgeführt. Dies erfolgt durch Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform. Die genaue Hormonmenge hängt von der Größe und Funktion des verbliebenen Schilddrüsenrestes ab und wird vom behandelnden Arzt anhand der Hormonwerte im Blut und ggf. einer Szintigrafie festgelegt.

Nach der Operation bösartiger Schilddrüsentumore ist eine Radiojodtherapie erforderlich, um mögliche Absiedlungen (Metastasen) der Tumoren zu behandeln.