Das Team der Kinder- und Jugendmedizin mit dem Leitenden Oberarzt Dr. med. Moritz Vogel, der Still- und Laktationsberaterin IBCLC Silvia Pallien und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Juliane Franz freut sich mit der jungen Mutter Tina Schroeder (von links) über die Möglichkeit, nun alle Frühgeborenen mit Muttermilch füttern zu können.

Die im Stillzimmer abgepumpte Milch wird über eine Durchreiche direkt in den Raum gestellt, in dem das Gerät zur Pasteurisierung und die Kühlschränke zur Aufbewahrung stehen. Durch die lückenlose Barcode-Identifizierung wird die Muttermilch den Kindern eindeutig zugeordnet.

Das Gerät zur speziellen Pasteurisierung von Muttermilch im Trierer Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen ist das einzige in der Großregion. Silvia Pallien gibt die Milch in den Glaszylinder, wo sie anschließend hinter verschlossener Tür bei 62 Grad schonend pasteurisiert wird.

Nur wenige Sekunden wird die Muttermilch auf 62°C erhitzt - genug, um weit verbreitete Cytomegalieviren abzutöten. Gleichzeitig bleiben die übrigen Inhaltsstoffe der Muttermilch so unverändert, wie möglich.

Im Gefrierschrank lagert die pasteurisierte Milch für Sara Leni.

Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Juliane Franz bringt Tina Schroeder die pasteurisiete Milch für ihre Tochter Sara Leni. Sie ist die erste kleine Patientin, die im Klinikum Mutterhaus pasteurisierte Muttermilch bekommt.

Silvia Pallien wartet hier zusammen mit Dr. med. Moritz Vogel regelmäßig die Anlage zur Pasteurisierung der Muttermilch. Fotos (7): Bettina Leuchtenberg, Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen

26.06.2020

Sichere Muttermilch für die Allerkleinsten

Im Klinikum Mutterhaus kann schonend pasteurisiert werden


Die aktuelle Corona-Pandemie hat gezeigt, wie leicht Viren sich verbreiten und wie unterschiedlich der Verlauf von unbemerkter Infektion bis zu tödlichem Ausgang je nach Bevölkerungsgruppe sein kann. Diese Eigenschaften gelten auch für Viren der Herpesfamilie, zu denen neben dem bekannten Lippenherpes z. B. auch Windpocken, EBV und Cytomegalieviren gehören. So milde der Verlauf in der Regel im Kindes- und Erwachsenenalter ist, so dramatisch können Infektionen mit diesen Viren bei kleinen Frühgeborenen verlaufen.

Eine besondere Rolle spielt dabei das Cytomegalievirus, da es weit verbreitet ist und in die Muttermilch übergehen kann. Etwa die Hälfte der Bevölkerung hat sich bis zum Erwachsenenalter infiziert, oft ohne es selbst zu bemerken. Hierzu zählen auch die Schwangeren. „Für die Mütter ist das Virus nicht gefährlich, doch über die Muttermilch kann es bei kleinen Frühgeborenen schwere Krankheitsverläufe verursachen“, sagt der Leitende Oberarzt der Neonatologie im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen, Dr. med. Moritz Vogel. „Aus diesem Grund konnten wir in der Vergangenheit nicht allen Frühgeborenen die für sie besonders wichtige Muttermilch verfüttern.“ Seit Anfang Juni ist es im Klinikum Mutterhaus Mitte möglich, Muttermilch nach einem speziell für diese Patienten entwickelten Verfahren zu pasteurisieren. Nun können alle rund 60 Frühgeborenen im Jahr, die unter 1500 Gramm wiegen, mit Muttermilch ernährt werden – mit oder ohne Pasteurisation. Hierfür werden die Mütter vorab passend getestet. „Wir sind so dankbar, dass Sara Leni schon jetzt meine Muttermilch bekommen kann“, freut sich Tina Schroeder von Herzen. Ihre Tochter kam im Mai als sehr kleines Frühgeborenes auf die Welt und liegt seitdem auf der Kinderintensivstation des Klinikums Mutterhaus. „Ich wollte sie unbedingt stillen und nun ist es dank der Pasteurisierung möglich, dass sie das Beste bekommt, was es für sie gibt.“ Sara Leni ist die erste kleine Patientin, die im Klinikum Mutterhaus pasteurisierte Muttermilch bekommt.

„Bei der im Gegensatz zur herkömmlichen Pasteurisierung nur sekundenlangen Erhitzung der abgepumpten Milch auf 62 Grad wird das Cytomegalievirus abgetötet, gleichzeitig wird die Muttermilch in ihrer bioaktiven Besonderheit so wenig wie möglich verändert“, weiß Silvia Pallien, die als Kinderkrankenschwester und Still- und Laktationsberaterin IBCLC die jungen Mütter auf der Frühgeborenenstation berät. Seit Anfang 2019 ist sie hauptamtliche Stillberaterin im Klinikum Mitte. Bis dahin war sie im Klinikum Ehrang tätig und hat dort vor allem an der Umsetzung babyfreundlicher Standards mitgearbeitet. „Mit der so pasteurisierten Muttermilch erhalten die Kleinsten der Kleinen neben den Nährstoffen der Muttermilch auch die zahllosen anderen Bestandteile, die für Ihre Entwicklung und den Schutz vor Infektionen so bedeutsam sind.“ Sie erläutert die Vorteile: „Muttermilch ist die ‚artgerechte’ Ernährung für Säuglinge. Das noch unreife Immunsystem der Babys wird durch die optimale Zusammensetzung besonders unterstützt.“ Moritz Vogel ergänzt: „Die Vorteile einer Muttermilchernährung für wichtige Organe wie Lunge und Darm sowie für die neurologische Entwicklung konnten in zahlreichen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden. Da kann eine industriell hergestellt Milch trotz aller Bemühungen der Hersteller auch nicht ansatzweise mithalten.“