Knapp 130 Personen dürfen sich bei den aktuell geltenden Hygieneregeln in der Basilika aufhalten. Foto: Bettina Leuchtenberg

20.10.2020

Autonomie am Lebensende

Kontroverses Thema beim Hospizabend


Knapp 130 Interessierte nahmen am vergangenen Mittwoch am Trierer Hospizabend teil und füllten die Konstantinbasilika fast bis auf den letzten möglichen Platz. Anlass war der Welthospiztag, der traditionell im Oktober begangen wird.

Wegen der aktuellen Corona-Pandemie fand der jährliche Trierer Hospiztag in geändertem Format als Hospizabend statt. Institutionen und Vereine aus Kirche, Sozialwesen, Pflege und Gesundheit hatten zum Vortrag von Prof. Dr. Ingo Proft zum Thema „Ich will niemandem zur Last fallen! – Autonomie am Lebensende“ eingeladen. 

Der Theologe, der an der Theologischen Fakultät Trier sowie der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar lehrt und das dortige Ethikinstituts leitet, führte ausführlich in das Thema ein. Zu  Beginn seines Vortrags stand die Klärung der Begriffe „Autonomie“ und „Selbstbestimmung“. Er betonte, dass je nach persönlicher Lebenshaltung diese Begriffe sehr unterschiedlich definiert werden können. So gebe es neben der christlichen Deutung von Selbstbestimmung als unantastbares Geschenk auch leistungstheoretische, kommunikationstheoretische oder werttheoretische Ansätze. „Gerade an der Grenze des Lebens bedarf es eines besonderen Gespürs für individuelle Bedürfnisse, für die Persönlichkeit und die Lebensbiografie des jeweiligen Menschen. Hier braucht es Sensibilität und Offenheit und den Mut zuzuhören“, so Ingo Proft. Nach einer weiteren Klärung der Begriffe Suizid, assistierter Suizid und Tötung auf Verlangen erläuterte er die aktuelle Rechtslage, die im Februar 2020 nochmals geändert wurde und die Selbstbestimmung und das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben nochmals ausweitet. Mit ethisch-praktischen Handlungsperspektiven für Akteure aus Pflege, Medizin und Betreuung sowie für Angehörige schloss er seine Ausführungen ab.  

Fragen und Anmerkungen konnten die Teilnehmer im Anschluss auf einem Papier notieren. Diese wurden vorgelesen, sodass auch ganz persönliche Sichtweisen und Standpunkte einen Raum bekamen und von Prof. Proft kommentiert und beantwortet werden konnten. Mit Wortbeiträgen und einer Meditation mit Pfarrerin Friederike Fleck und Weihbischof Franz Josef Gebert tauchten die Geistlichen noch einmal in ganz anderer Form in das Thema ein und regten zum Nachdenken und Innehalten an. Mit dem Verteilen des Hospizlichtes endete der diesjährige Hospizabend.

 

Linktipp

Da aus Gründen des Infektionsschutzes nicht alle Interessierten an dem Hospizabend teilnehmen konnten, wurde der Vortrag von Prof. Dr. Ingo Proft aufgezeichnet und steht auf dem youtube channel des Ethik-Instituts Vallendar Trier zum Nachhören bereit.