Essstörungen

Eine Initiative der Abteilung Psychosomatik-Schmerzmedizin der Inneren Medizin 2 des Klinikums Mutterhaus (Dr. Werner Schaan) und der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Dr. Karoline Weiland-Heil)

 

Binge-Eating-Störung

Die Binge-Eating-Störung (Binge = engl. Sauferei) ist - ähnlich der Bulimia nervosa - durch wiederholte Essattacken charakterisiert. Betroffene berichten, dass sie während einer solchen Attacke die Kontrolle über ihr Essverhalten verlieren (z. B. schneller Essen als normalerweise, Essen von großen Mengen ohne hungrig zu sein, allein Essen oder Schulgefühle nach dem Essen). Der wesentliche Unterschied zur Bulimia nervosa besteht darin, dass bei der Binge-Eating-Störung keine regelmäßigen, einer Gewichtszunahme entgegensteuernden Maßnahmen ergriffen werden. Demzufolge sind die meisten Betroffenen übergewichtig.

Die Binge-Eating-Störung stellt ein eigenständiges Störungsbild dar, das im Wesentlichen durch folgende Symptome gekennzeichnet ist:

Wiederholte Episoden von Essattacken, die durch zwei Kriterien charakterisiert sind:

  • Essen einer Nahrungsmenge in einem abgrenzbaren Zeitraum (z. B. in einem zweistündigen Zeitraum), die definitiv größer ist, als die meisten Menschen in einem ähnlichen Zeitraum unter ähnlichen Umständen essen würden.
  • Ein Gefühl des Kontrollverlustes über das Essen während der Episode (s.o.).

Die Essattacken treten gemeinsam mit mindestens drei der folgenden Symptome auf:

  • wesentlich schneller Essen, als normal
  • Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl,
  • Essen großer Nahrungsmengen, wenn man sich körperlich nicht hungrig fühlt,
  • alleine Essen aus Scham über die verzehrte Menge an Nahrung,
  • Ekelgefühle gegenüber sich selbst, Deprimiertheit oder große Schuldgefühle nach dem übermäßigen Essen.

Es besteht deutliches Leiden wegen der Essanfälle.

Die Essanfälle treten im Durchschnitt an mindestens zwei Tagen in der Woche für sechs Monate auf.

Die Essanfälle gehen nicht mit dem regelmäßigen Einsatz von kompensatorischen Verhaltensweisen einher (z. B. Fasten oder exzessive körperliche Betätigung) und sie treten nicht ausschließlich im Verlauf einer Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa auf.

Wie Anorexia und Bulimia nervosa geht auch die Binge-Eating-Störung mit einer Reihe von körperlichen und psychischen Folgen einher.

Mögliche körperliche Folgen:

Die Schäden für den Körper aufgrund des Übergewichtes sind groß und betreffen überwiegend das Herz-Kreislauf-System:

  • Bluthochdruck,
  • erhöhte Blutfettwerte
  • erhöhtes Risiko für Arteriosklerose,
  • Wassereinlagerungen im Gewebe
  • Gelenk- und Wirbelsäulenüberbelastung
  • Schäden an Knie- und Hüftgelenken
  • Schlafstörungen

Mögliche psychische Folgen:

  • Ohnmachtsgefühl bzgl. des Kontrollverlustes
  • Hass auf den eigenen Körper
  • niedriges Selbstwertgefühl
  • Depressive Verstimmung
  • Ängste/ Zwänge
  • sozialer Rückzug
  • Gereiztheit
  • Aggressivität