Klinikum Mutterhaus Mitte

 

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Informationen zur Erkrankung

80 % der akuten Leukämien des Erwachsenen gehören in die Gruppe der akuten myeloischem (das Knochenmark betreffenden) Leukämie. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen an akuter myeloischer Leukämie unterliegt weiterhin deutlichen altersabhängigen Unterschieden. Das bedeutet, mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken an.

Unter dem Begriff malignes Lymphom wird eine Gruppe von bösartigen Erkrankungen zusammengefasst, bei denen es zu einer unkontrollierten Vermehrung von Zellen des lymphatischen Systems kommt. Das lymphatische System dient üblicherweise der Abwehr von Krankheitserregern und befindet sich in Lymphknoten aber auch der Milz, in den Mandeln, im Knochenmark und vielen anderen Organen. In vielen Fällen ist daher einer Schwellung eines Lymphknotens die typische Manifestation dieser Erkrankung, manchmal können diese Erkrankungen aber auch in anderen Organen auftreten.

Maligne Lymphome sind keine einheitliche Gruppe von Erkrankungen, man unterscheidet mindestens 30 Unterarten. Es gibt eine aktuelle Klassifikation der WHO, die jedoch ständig erneuert und erweitert wird. Die Lymphome gliedern sich in drei große Gruppen, die sich in Behandlung und Prognose zum Teil erheblich unterscheiden.

1. Morbus Hodgkin

2. indolente oder niedrig maligne Non-Hodgkin-Lymphome, dazu zählt vor allem das sog. Follikuläre Lymphom

3. aggressive Non-Hodgkin-Lymphome, dazu zählt vor allem das sog. diffus großzellige B-Zell-Lymphom

 

Häufigkeit und Erkrankungsalter

Maligne Lymphome sind im Vergleich zu sog. soliden Tumor selten. Allerdings ist es in den letzten 10 bis 15 Jahren zu einer Zunahme der Häufigkeit gekommen. Das Erkrankungsalter ist für verschiedene Lymphomarten unterschiedlich.
Bei den indolenten Lymphomen sind die meisten Patienten über 60 Jahre alt, bei aggressiven Lymphomen gibt es viele Patienten, die deutlich jünger sind. Der Morbus Hodgkin tritt typischerweise auch bei jungen Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Es gibt allerdings einen zweiten Altersgipfel bei Patienten über 60 Jahren.  

Therapie der akuten myeloischen Leukämie

Der Volksmund nennt sie Blutkrebs, die akute myeloische Leukämie, kurz AML. Diese bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems ist die häufigste Form akuter Leukämien im Erwachsenenalter. Bei der akuten myeloischen Leukämie tritt eine unkontrollierte Vermehrung von unreifen Vorläuferzellen bestimmter Blutzellen im Knochenmark auf. Galt sie vor Jahren noch als unheilbar, gibt es heute zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten.

Wurde eine akute myeloische Leukämie diagnostiziert, sollte in der Regel zügig mit der Therapie begonnen werden. „Die Art der Behandlung der AML hängt vor allem ab vom Alter des Patienten, seinem Allgemeinzustand und der Unterform der AML“, sagt Dr. med. Rolf Mahlberg, Chefarzt und Leiter des Leukämie- und Lymphom-Zentrums des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier.

Einteilung in Risikogruppen
„Mittels Genuntersuchungen bestimmen wir beim Patienten die Unterform der AML und können ihn so einer Risikogruppe zuordnen. Grundsätzlich unterscheiden wir dabei drei Kategorien: die Niedrig- und  Standard-Risikogruppe und die Hoch-Risikogruppe“, erklärt Dr. Mahlberg den ersten Untersuchungsschritt. Hierzu wird Blut und Knochenmark des Patienten untersucht. Die Wahl der passenden Therapiestrategie hängt zudem vom Allgemeinzustand und Alter des Patienten ab. „Nur wenn der Patient körperlich stabil ist, können wir ihm die anstrengende Induktionstherapie zumuten“, sagt Dr. Mahlberg.

Induktionstherapie
Als Basistherapie bei der AML dient in der Regel eine spezielle Chemotherapie, die als Induktionstherapie bezeichnet wird. Aufgrund ihrer Intensität wird sie dem Patienten stationär verabreicht – für die Dauer von etwa sieben Tagen. Die Onkologen führen die Medikamente über einen zentralen Venenkatheter zu. Durch die Chemotherapie sollen die Leukämiezellen möglichst vollständig abgetötet werden, damit das Knochenmark wieder seine ursprüngliche Funktion, nämlich die Blutbildung, aufnehmen kann.

Als Nebeneffekt der Behandlung sterben auch gesunde Blutzellen ab, was für einige Wochen zu einer deutlich reduzierten Blutbildung führt. Als Ausgleich erhalten Betroffene in dieser Zeit Bluttransfusionen. Darüber hinaus besteht auch die Gefahr von Infektionen. Dagegen werden Antibiotika und Medikamente gegen Pilzinfektionen verabreicht. Insgesamt müssen die Patienten mit einen Krankenhausaufenthalt von etwa vier Wochen rechnen.

Auch wenn die Leukämie nach einer intensiven Chemotherapie zunächst nicht mehr sichtbar ist, können bestimmte Formen der AML zeitversetzt wieder auftreten. Deshalb folgen nach einem Induktions-Chemotherapie-Zyklus als weitere Schritte mehrere sogenannte Konsolidierungszyklen. Hiernach wird in manchen Fällen eine Erhaltungstherapie zur Vorbeugung von Rückfällen durchgeführt. Ziel dieser Therapie ist es, die Krankheit so gut und so lange wie möglich zurückzudrängen.

Stammzellentransplantation
„Hoch-Risikogruppen erhalten eine Chemotherapie und gegebenenfalls auch eine Bestrahlung, um möglichst viele kranke Zellen zu zerstören. Parallel dazu läuft die Suche nach einem Stammzellenspender“, so Dr. Mahlberg. „Anschließend werden dem Patienten die Blutstammzellen des Spenders zugeführt, so dass es zur erneuten Bildung aller Blutzellen kommen kann. Ein passender Spender wird übrigens mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 70 Prozent gefunden“, lautet die gute Nachricht des Experten.

Nicht-intensive Therapien
Für Patienten ab einem Alter von 65 – 70  Jahren kommen eine Chemotherapie oder eine Stammzelltransplantation oftmals nicht mehr in Frage. In der Regel liegen nämlich Begleiterkrankungen vor und der Einsatz intensiver Therapien ist dann nicht mehr möglich. „In diesen Fällen setzen wir Nicht-intensive Therapien ein, wie beispielsweise die epigenetische Therapie. Wir widmen uns also den Genveränderungen, die die AML angerichtet hat“, sagt Dr. Mahlberg. Bei der AML sind Steuerungsprozesse der Blutbildung außer Funktion. Daher vermehren sich weiße Blutzellen unkontrolliert und reifen zudem nicht mehr aus. Die epigenetische Therapie setzt Wirkstoffe ein, die in ihrer molekularen Struktur den Bausteinen der Erbsubstanz ähneln. Sie werden vom Körper somit in die DNS eingebaut. Abgeschaltete Steuerungs-Gene werden aktiviert und die Stammzellen wachsen wieder zu normalen Blutzellen heran. Patienten bekommen die entsprechenden Medikamente ambulant – gespritzt oder als Infusion.

Empfehlung: Behandlung in Fachkliniken
Experten empfehlen Betroffenen die Behandlung an Fachkliniken für Hämatologie. Hier ist man spezialisiert auf die Behandlung von akuten myeloischen Leukämien. Die behandelnden Ärzte haben Zugang zum neuesten Stand der Forschung. Oftmals sind solche Kliniken zudem angeschlossen an eine der deutschen AML-Studiengruppen. Patienten können davon profitieren. Hilfreiche Informationen bietet die Internetseite Kompetenznetz Leukämien .