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Impfungen bei Kindern und Jugendlichen

Priv.-Doz. Dr. med. Wolfgang Thomas

Ein gesundes Immunsystem ist laut Priv.-Doz. Dr. med. Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin nicht ausreichend, um wirksam vor impfpräventablen Erkrankungen zu schützen. So könne beispielsweise eine Meningokokken-Infektion auch bei vollkommen gesunden Säuglingen oder Jugendlichen zu einer schweren und unkontrollierbaren Entzündungsreaktion im gesamten Organsystem führen, an der die Betroffenen sterben.

Deshalb rät der Pädiater Eltern zu einer Impfung ihrer Kinder: „Die Bedeutung von Impfungen darf nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden. Das Immunsystem von Säuglingen ist darauf angelegt, sich tagtäglich mit einer Vielzahl von Erregern auseinanderzusetzen und reift dadurch.“ Daher sei es auch in diesem Alter keinesfalls mit den abgeschwächten oder abgetöteten Erregern im Impfstoff überfordert. Dem Argument einiger Impfkritiker, das Kind sei durch die Antikörper, die es von der Mutter über Plazenta und Muttermilch erhält, zu Genüge geschützt, widerspricht der erfahrene Arzt: „Zwar nimmt das Kind Antikörper der Mutter auf und ist dadurch in den ersten Lebensmonaten geschützt, aber dieser Effekt wirkt nur begrenzt.“ Einige Impfungen, wie die gegen Mumps, Masern und Röteln, werden jedoch unter anderem erst ab dem Ende des ersten Lebensjahrs empfohlen, weil sie in ihrer Wirksamkeit durch mütterliche Antikörper im kindlichen Blut beeinträchtigt werden können.

Impfungen erfüllen laut Dr. Thomas eine doppelte Aufgabe: In erster Linie schützen sie die Geimpften vor einer möglichen lebensbedrohlichen Erkrankung. Aber auch Nicht-Geimpfte oder Personen, bei denen der Körper trotz Impfung keine Antikörper bildet, profitieren von einer hohen Impfquote. „Man spricht hier von einer Herdenimmunität, bei der das Risiko einer Infektion dieser vorgenannten Personengruppen sinkt, weil einfach eine viel niedrigere Ansteckungsgefahr besteht“, erklärt der Arzt.

Impfgegner nutzen dieses Argument oft, wenn sie von einer Impfung abraten. Sie berücksichtigen dabei allerdings nicht, dass mit sinkender Impfquote die Gefahr einer Ansteckung wieder wächst. Deshalb ist es wichtig, so Thomas, dass auch Impfungen gegen in Deutschland bereits ausgerottete Krankheiten wie die Polio (Kinderlähmung) weiter durchgeführt werden, da die Infektion auch im Ausland erfolgen kann und dann bei der Rückkehr nach Deutschland eingeschleppt wird. Dass eine Einzelinfektion nicht zu einer Epidemie ausartet, kann nur durch flächendeckende Impfungen erreicht werden. Bevor ein Impfstoff in Deutschland zugelassen wird, werden aufwendige und qualitativ hochwertige Untersuchungen durchgeführt.