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„Ausbildung ist mehr als Stoffvermittlung – es geht um Vorbilder.“

Interview aus der Reihe "Flurgespräch" mit Schulleiter Udo Hoffmann

Im Gespräch im Rahmen unserer neuen Interview-Reihe „Flurgespräch“ spricht Udo Hoffmann, Schulleiter unserer Karl Borromäus Schule, über Hightech im historischen St. Clara, den Faktor Menschlichkeit und die Pflegeausbildung 2026.

Seit dem Umzug in das historische Ambiente von St. Clara weht ein neuer Wind durch die Karl Borromäus Schule. Wir haben mit Schulleiter Udo Hoffmann darüber gesprochen, wie sich Tradition und modernste Technik vereinen lassen und warum er sich auch heute wieder für die Pflege entscheiden würde.

 

Herr Hoffmann, mussten Sie als Schüler selbst einmal beim Schulleiter vorsprechen?

Hoffmann: (lacht) Nein. Das hört sich jetzt vielleicht merkwürdig an, aber ich musste tatsächlich nie beim Rektor vorsprechen. Fast schon schade, oder?

 

Heute sind Sie Schulleiter und dürfen im historischen Ambiente von Sankt Clara wirken. Ist das nach der ersten Zeit immer noch ein besonderes Gefühl im Arbeitsalltag?

Hoffmann: Es ist ein absolut tolles Gefühl. Gute Rahmenbedingungen sind für das Arbeitsfeld unheimlich wichtig – dazu gehören die Räumlichkeiten ebenso wie ein starkes Team. Beides finde ich hier vor. Trotz aller Herausforderungen im Vorfeld fühle ich mich sehr wohl, auch weil ich ein Team habe, das bereit ist, Veränderungen aktiv mitzugestalten.

 

Wie reagieren die Schülerinnen und Schüler auf diese Umgebung? Motiviert sie eher das historische Flair oder ist die topmoderne Ausstattung mit all den digitalen Möglichkeiten der eigentliche Star?

Hoffmann: Es ist das Gesamtkonzept. Heute setzen Auszubildende iPads oder digitale Tafeln fast schon voraus. Aber Ausbildung ist mehr als nur die Vermittlung von Inhalten. Der pädagogische Lehrer, der wirklich zuhört, macht eine gute Schule aus. Wir können zwar mit tollen Räumen werben, doch entscheidend ist der Mensch vor Ort, der Vorbilder schafft. Unser Leitgedanke „Innovativ heilen, menschlich handeln“ muss spürbar sein.

 

Das Berufsbild hat sich stark gewandelt. Was ist heute die wichtigste Kompetenz, die ein angehender Pflegefachmann bei Ihnen lernt?

Hoffmann: Es gibt nicht die eine Kompetenz. Man braucht ein grundsätzliches Verständnis für Pflege und – ganz essenziell – das Herz am rechten Fleck. Eine hohe Sozialkompetenz ist genauso wichtig wie die Fachkompetenz. Mir ist klar, dass der Unterricht nicht immer eins zu eins die Realität auf Station abbilden kann. Wir unterrichten 100 Prozent, damit in der Praxis unter schwierigen Bedingungen möglichst 80 davon umgesetzt werden. Wir vermitteln das Optimum, damit die Schüler wissen, wie gute Pflege unter idealen Bedingungen aussieht.

 

Wo ziehen Sie als Pädagoge die Grenze: In welchen Bereichen kann Technik die menschliche Lehre niemals ersetzen?

Hoffmann: KI und Technik können die Lehre nie ersetzen, allerdings sinnvoll ergänzen. Der Pädagoge entscheidet, welches Medium zu welchem Thema passt. Highlight sind unsere Skills Labs: Das hat weniger mit Digitalisierung zu tun, sondern mit einer neuen Art des Lernens. Es ist ein geschützter Raum für das Ziel „Zero Error – Null Fehler“. Durch Videoanalysen können Schülerinnen und Schüler ihr Tun reflektieren und Sicherheit gewinnen, bevor sie direkt am Patienten arbeiten.

 

Trier und die Region brauchen Nachwuchs in der Pflege. Wie geht die Karl-Borromäus-Schule heute aktiv auf die Suche nach Talenten?

Hoffmann: Wir müssen in den Köpfen bleiben. Das bedeutet regelmäßige Veröffentlichungen in den sozialen Netzwerken, Präsenz in Schulen und auf Messen. Wir gehen heute aktiv auf die jungen Menschen zu, etwa durch den jährlichen Azubi- und Karrieretag oder die Teilnahme am Girls'Day und Boys'Day.

Aber auch interne Benefits sind wichtig, schließlich sind das konkrete Formen der Wertschätzung. Außerdem setzen wir auf kontinuierliche Deutschkurse über die gesamten drei Jahre, um ausländische Azubis nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich sicher zum Examen zu führen.

 

Trotz aller Modernisierung bleibt das christliche Fundament als Grundlage unseres Handelns. Wie viel „Herz“ steckt in einer Ausbildung, die immer wirtschaftlicher werden muss?

Hoffmann: Die Pflege kommt ursprünglich von den Ordensschwestern, die sich genau damit beschäftigt haben. Das ist unsere Herkunft, und deshalb nimmt dieser Teil bei uns auch heute noch einen riesigen Raum ein. Bei aller Wirtschaftlichkeit ist das Herz das, was am Ende enorm wichtig bleibt. Die hohe Sozialkompetenz und das Herz am rechten Fleck – das macht Pflege aus. Wenn man Dinge nur abarbeitet, könnte man das fast aus einem Büro machen.

 

Wenn Sie einen Wunsch beim Ministerium freihätten – welcher wäre das?

Hoffmann: Ich würde mir fest refinanzierte Stellen für Schulsozialarbeit und Integrationsbeauftragte wünschen. Die Lehrkräfte leisten Enormes, sind aber oftmals überlastet, wenn private Probleme oder komplexe Behördengänge – gerade bei ausländischen Azubis – hinzukommen. Wenn wir eine gute Integration und weniger Ausbildungsabbrüche wollen, gehört diese Begleitung einfach dazu.

 

Hand aufs Herz: Wenn Sie heute noch einmal 18 wären – würden Sie sich unter den Bedingungen von 2026 wieder für die Pflege entscheiden?

Hoffmann: Auf jeden Fall! Ich war damals nach der Schule etwas orientierungslos, aber ein Praktikum im Herz-Jesu-Krankenhaus hat mich überzeugt. Ich habe diese Entscheidung nie bereut. Die Arbeit im Team und mit Menschen macht mir bis heute Spaß und hat meinen Charakter geprägt.

 

Zehn schnelle Fragen zum Schluss

  • Wein oder Viez?Wein!
  • Early Bird oder Ausschlafen?Early Bird!
  • Hund oder Katze?Hund!
  • Selber kochen oder Pizza bestellen?Weder noch, ich bin kein großer Koch, aber Pizza muss es auch nicht sein.
  • Liebesroman oder Actionfilm? Eher der Liebesroman.
  • Strukturiert oder chaotischer Schreibtisch?Alles in Reih und Glied.
  • Sommerkind oder Winterfan?Ganz klar: Sommerkind.
  • Städtetrip oder einsame Hütte?Momentan eher der Städtetrip.
  • Gutes Essen oder guter Schlaf?Gutes Essen! (Obwohl ich meine 8 bis 10 Stunden Schlaf brauche).
  • Trier oder Andernach?Trier, ganz klar!

 

Die Fragen stellte Adrian Donath.