Der Flurfunk – wohl jeder kennt ihn und fast jeder schätzt ihn. Dieses scheinbar zufällige Grundrauschen zwischen Kaffeemaschine und Drucker hat sich zu einer der lebendigsten Kommunikationsformen in Unternehmen entwickelt. Ein kurzer Austausch im Vorbeigehen kann mitunter mehr Klarheit verschaffen als so manch eine E-Mail.
Genau deshalb sind Flurgespräche für uns mehr als nur informelle Plaudereien – sie sind ein echter Ideenmotor. Wir freuen uns, Ihnen „Flurgespräche“ jetzt auch im Intranet zu präsentieren. In dieser Ausgabe sprachen wir mit Prof. Dr. med. Frank Rücker, Chefarzt der Inneren Medizin 1 und Leiter unseres Onkologischen Zentrums. Wie er nach seinen ersten Monaten im Mutterhaus auf die Arbeit in unserem Haus blickt, warum Ehrlichkeit für ihn ein wichtiger Faktor in der Medizin ist und wo er privat anpackt, erfahren Sie hier im Flurgespräch.
Viel Spaß beim Lesen und Entdecken wünscht Ihre Unternehmenskommunikation.
P.S. Haben Sie eine Frage, die Sie schon immer mal stellen wollten? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an Unternehmenskommunikation@Mutterhaus.de.
Prof. Rücker, Sie haben eine beeindruckende Vita und hätten sich wahrscheinlich bundesweit die Chefarztstelle aussuchen können. Hand aufs Herz: Wie haben wir es geschafft, Sie hier nach Trier ans Klinikum Mutterhaus zu locken?
Prof. Dr. Rücker: Das Mutterhaus ist ein Haus mit langjähriger Tradition und einer eigenständigen Fachabteilung für Hämatologie und Onkologie, die bereits ein sehr breites therapeutisches Spektrum abgebildet hat. Das Angebot der Geschäftsführung und der anderen Beteiligten, die therapeutischen Möglichkeiten – insbesondere im Feld der Hämatologie – gemeinsam weiterzuentwickeln, fand ich in der Tat sehr reizvoll. Es ist eine tolle Aufgabe, hier in dieser schönen Region Spitzenmedizin für die Patientinnen und Patienten anbieten zu können.
Sie leiten das Onkologische Zentrum und die Innere Medizin 1. Das ist ein gewaltiges Pensum. Wie wichtig ist es da für Sie, ein Team im Rücken zu haben, auf das man sich blind verlassen kann? Sind Sie eher der einsame Entscheider oder der Teamplayer auf dem Flur?
Prof. Dr. Rücker: Moderne Medizin ist prinzipiell Teamarbeit, das geht gar nicht mehr alleine. Man braucht ein starkes Team in allen Berufsgruppen – sowohl ärztlich als auch pflegerisch. Und man muss einheitlich zusammenstehen. Das Team muss verlässlich sein, aber es muss auch selbst Verlässlichkeit erleben.
Sprich: Führungspersönlichkeiten müssen berechenbar sein. Meine Mitarbeiter müssen sich darauf verlassen können, wie ich in einer Situation reagiere. Wenn man heute so und zwei Tage später in einer ähnlich gelagerten Situation völlig anders entscheidet, bringt das Unsicherheit statt Stabilität. Mit dem jetzigen Team sind wir schon sehr gut vorangekommen. Es ist ein sehr organisiertes und motiviertes Team.
Hämato-Onkologie und Infektiologie klingen für Laien nach schwerer Kost. Wie erklären Sie einem fachfremden Kollegen beim schnellen Kaffee in der Cafeteria, was Sie an diesem Fachbereich so fasziniert?
Prof. Dr. Rücker: Die Hämatologie und internistische Onkologie ist ein extrem breites, dynamisches und faszinierendes Fach. Es gibt mannigfaltige Erscheinungsbilder und hochkomplexe Differentialdiagnosen. Gerade die Erkrankungen des blutbildenden Systems sind extrem unterschiedlich. Wenn man dann noch die therapeutischen Entwicklungen der letzten zehn bis zwanzig Jahre betrachtet, haben sich dort enorme Fortschritte getan. Das bietet ganz neue Perspektiven für die Patienten.
Innovation ist Ihr Steckenpferd, gerade klinische Studien haben für Ihren Fachbereich eine enorme Bedeutung. Was bedeutet das ganz konkret für den Patienten hier in der Region? Bekommen wir hier in Trier jetzt die Medizin von morgen?
Prof. Dr. Rücker: Klinische Studien sind extrem wichtig, um moderne Therapien anbieten zu können, die regulär noch gar nicht zugelassen sind. Dabei rede ich nicht von den ganz frühen Forschungsphasen – die sollten universitären Häusern vorbehalten bleiben. Aber Phase-III-Studien, bei denen neue Ansätze gegen den aktuellen Standard verglichen werden, sind für uns essentiell.
Als freies, gemeinnütziges Haus ohne universitären Status können wir diese innovativen Fortschritte oft nur über Studien zu den Patienten bringen. Wir haben uns beispielsweise nach dem Ende einer AML-Studie sofort darum bemüht, die Nachfolgestudie zu etablieren, in die wir bereits drei Patienten einschließen konnten. Das gibt den Patienten und uns auch die nötige juristische Sicherheit für modernste Therapieverfahren in unserer Region.
In der Onkologie begleiten Sie Menschen oft in ihren schwersten Stunden. Woher nehmen Sie persönlich die Kraft und die Empathie, um jeden Tag aufs Neue Hoffnung zu vermitteln?
Prof. Dr. Rücker: Die Motivation ziehe ich stark aus den Fällen, in denen wir durch unsere multimodalen Therapien reale Chancen haben, die Patienten komplett zu heilen. Wenn wir wissen, dass eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist, geht man damit natürlich anders um.
Hier ist mir Offenheit und Ehrlichkeit ganz wichtig. Man darf Patienten keine falschen Hoffnungen machen und behaupten, mit einer Therapie werde alles wieder gut, wenn man weiß, dass es nicht so ist. Wir müssen ehrlich sagen: „Das ist die Situation, und wir haben die Möglichkeit, die Erkrankung zu kontrollieren und Komplikationen fernzuhalten.“ Falsche Versprechungen führen am Ende nur zu enormem Vertrauensverlust.
Deshalb spreche ich übrigens auch am liebsten mit dem Patienten und nicht auf dem Flur über ihn mit den Angehörigen. Der Patient steht im Mittelpunkt, er trägt die Hauptlast und muss über alles Bescheid wissen.
Wir nennen dieses Format ja „Flurgespräch“: Gibt es in Ihrem Arbeitsalltag überhaupt noch diesen informellen Austausch, oder ist Ihr Terminkalender so getaktet, dass jede Minute klinisch durchgeplant ist?
Prof. Dr. Rücker: Der Arbeitsalltag ist schon sehr straff getaktet. Man hat mich bisher wohl eher selten in der Cafeteria gesehen, ich arbeite sehr fokussiert meine Tagespunkte ab. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen findet bei mir eher strukturiert statt, zum Beispiel in den regelmäßigen Tumorboards. Ein klassischer Termin für Klatsch und Tratsch steht also nicht in meinem Kalender.
Wenn Sie heute einem jungen Assistenzarzt begegnen, der fachlich brillant, aber menschlich etwas 'kühl' ist – was geben Sie ihm mit auf den Weg, damit er ein wirklich guter Onkologe wird?
Prof. Dr. Rücker: Ich halte eine gewisse professionelle Kühle und Distanz in der Onkologie gar nicht für falsch. Man muss eine gewisse Distanz zum Patienten aufrechterhalten, um die Dinge über Jahre hinweg professionell handhaben zu können.
Wenn Sie mal nicht im Dienst sind und den Kittel an der Garderobe lassen: Wo trifft man Frank Rücker am Wochenende in Trier oder der Region?
Prof. Dr. Rücker: Momentan vor allem im Eigenheim bei der Gartenarbeit. Ansonsten auch durchaus mal in der Stadt – und ganz selten, vielleicht einmal im Quartal, zieht es mich noch in die alten Gefilde im Süden Deutschlands.
Zehn schnelle Fragen zum Schluss
Trierer Wein oder Gerolsteiner Wasser? — Gerolsteiner Wasser.
Klinikflur oder Forschungslabor? — Forschungslabor.
Katze oder Hund? — Beides.
Tablet oder klassisches Notizbuch? — Klassisches Notizbuch.
Frühaufsteher oder Nachtschwärmer? — Beides (lacht).
Sachbuch oder Roman? — Sachbuch.
Oper oder Stadion? — Wenn ich wählen müsste, eher das Fußballstadion.
Städtetrip oder Wanderschuhe? — Wanderschuhe.
Kantine oder Selbstversorger? — Selbstversorger.
RLP oder BaWü? — (zögert) BaWü – noch.
Die Fragen stellte Adrian Donath.