Klinikum Mutterhaus baut klinische Krebsstudien gezielt aus
Die moderne Hämatologie und internistische Onkologie gewinnt durch die rasanten therapeutischen Entwicklungen der vergangenen Jahre zunehmend an Dynamik. Um Patientinnen und Patienten in der Region Trier eine medizinische Versorgung auf universitärem Niveau zu garantieren, setzt das Klinikum Mutterhaus mit seinem Onkologischen Zentrum und der Abteilung für Innere Medizin 1 verstärkt auf den gezielten Ausbau klinischer Studien. Dies ist nach Überzeugung von Professor Dr. med. Frank Rücker, Chefarzt Innere Medizin 1 (unter anderem: Hämato-Onkologie), der entscheidende Weg, um Patientinnen und Patienten den Zugang zur „Medizin von morgen“ zu eröffnen und gleichzeitig medizinische Sicherheit zu gewährleisten.
Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung und die Integration neuer klinischer Studien wird die regionale Versorgung von Krebspatienten nachhaltig auf Spitzenniveau gesichert. Klinische Studien spielen in der onkologischen Versorgung eine Schlüsselrolle. Sie ermöglichen es, innovative Therapieverfahren und neuartige Medikamente bereits vor ihrer offiziellen Marktzulassung in einem sicheren klinischen Rahmen in der Praxis einzusetzen.
Ein Fokus liegt hierbei bewusst auf Phase-III-Studien und Therapieoptimierungsstudien, bei denen neue Ansätze verglichen werden, um künftige Behandlungsleitlinien zu definieren. Sehr frühe Studienphasen bleiben hingegen universitären Zentren vorbehalten. Professor Rücker äußerte sich im Rahmen einer Porträt-Reihe auf der Internetseite Mutterhaus.de. Er ist seit rund einem Jahr Chefarzt am Klinikum.
Trierer Patienten als Teil von Studien
Nach dem erfolgreichen Rekrutierungsabschluss einer vorangegangenen Studie zur Behandlung der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) konnte beispielsweise nahtlos die Nachfolgestudie etabliert werden. Erste Patienten wurden am Klinikum bereits erfolgreich in das Studienprogramm aufgenommen.
Das Onkologische Zentrum der Einrichtung orientiert sich an aktuellen, internationalen Daten wie den Ergebnissen der Matterhorn-Studie. Diese belegen den therapeutischen Mehrwert einer zusätzlichen Checkpoint-Inhibition (Immuntherapie) kombiniert mit einer klassischen Chemotherapie beim Magenkarzinom.
Keine „Wundertherapien“
Chefarzt Rücker betont die Relevanz einer realistischen und ehrlichen Kommunikation. Falsche Hoffnungen durch das Vermitteln vermeintlicher „Wundertherapien“ führen nachweislich zu massiven Vertrauensverlusten und belasten den Behandlungsverlauf. „Im Mittelpunkt aller klinischen und kommunikativen Prozesse steht stets der betroffene Patient, der vollumfänglich in jede Therapieentscheidung einbezogen wird“, führt der Mediziner aus. „Nicht jede Tumorerkrankung ist gleich: Es gibt Tumorerkrankungen, bei denen wir eine sehr hohe Chance und eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit haben, die Patienten durch unsere Therapien zu heilen. Es ist der kleinere Teil, bei dem wir mit der Diagnose wissen, dass wir nicht mehr heilen können.“
Die onkologische Versorgung im Klinikum Mutterhaus basiert daher auf einer strikten Vernetzung aller ärztlichen und pflegerischen Berufsgruppen. Zentrale Steuerungselemente sind die regelmäßigen, interdisziplinären Tumorboards, in denen individuelle Behandlungsstrategien für jeden Patienten gemeinsam festgelegt werden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse – klare Aufklärung
Die Erkrankungen des blutbildenden Systems (Hämatologie) sowie solide Tumoren zeichnen sich durch extrem komplexe Krankheitsbilder und vielfältige Differenzialdiagnosen aus. Die Bewältigung dieser Komplexität und das Management möglicher Behandlungskomplikationen erfordern eine enge, interprofessionelle Zusammenarbeit.
Ein wesentlicher Pfeiler der therapeutischen Arbeit im Onkologischen Zentrum ist eine transparente, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Aufklärung. Moderne Onkologie unterscheidet zwischen kurativen (auf Heilung ausgerichteten) Ansätzen bei hoher Heilungswahrscheinlichkeit und palliativen Situationen, in denen die Krankheitskontrolle und die Vermeidung von Komplikationen im Vordergrund stehen.
Weitere Informationen unter https://www.mutterhaus.de/zentren/onkologisches-zentrum und https://www.mutterhaus.de/fachabteilungen/innere-medizin-1